Leben in Wohngruppen der Jugendhilfe – sichtbar, ehrlich, berührend
30. Januar 2026
Zentrales Ziel der Jugendhilfe in stationären Wohngruppen ist es, jungen Menschen einen sicheren und stabilen Lebensraum zu bieten. Verlässliche Beziehungen, emotionale Entwicklung sowie die Stärkung von Identität, Selbstwert und sozialer Teilhabe stehen dabei im Mittelpunkt. Junge Menschen sollen Anerkennung erfahren, mitbestimmen können und schrittweise auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden. Doch wie wirken sich familiäre Belastungen und biografische Brüche auf das Verhalten und die emotionale Entwicklung aus? Welche Rolle spielen Unsicherheiten, Ängste und der Wunsch nach einem „normalen Leben“?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachtag der Fachinstitute Blauschek im Kino Rinteln. Pädagogische Fachkräfte, Bewohner*innen der Jugendhilfeeinrichtungen sowie Gäste aus Bildung und Erziehung kamen mit dem Regisseur Stefan Sick ins Gespräch. Zur Einführung wurde der Dokumentarfilm „Das fast normale Leben“ gezeigt. Der Film begleitet vier Mädchen in einer Wohngruppe der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort. Getrennt von ihren Eltern ringen sie um Selbstliebe, Anerkennung, Selbstbestimmung und Geborgenheit. Ohne Schuldzuweisungen gibt der Film einen authentischen Einblick in den Alltag der Jugendhilfe – einen Alltag, der nicht immer reibungslos verläuft, in dem jedoch tragfähige Beziehungen und Schutzräume entstehen können.
In der anschließenden Diskussion berichtete Stefan Sick ausführlich über die Entstehung des Films, die 85 Tage andauernden Dreharbeiten sowie über seine Erfahrungen mit den jungen Menschen, den pädagogischen Fachkräften, den Eltern und dem zuständigen Jugendamt. Intensiv diskutiert wurde zudem das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz in der Jugendhilfe – ein Balanceakt zwischen empathischer Beziehungsarbeit und professioneller Abgrenzung. Abschließend betonte Sick, dass es ihm mit dem Film vor allem darum gehe, das Leben junger Menschen in stationären Wohngruppen sichtbar zu machen, ihnen eine Stimme zu geben und sie in ihrer Realität ernst zu nehmen.
Der Fachtag bot wertvolle Impulse, Raum für Austausch und neue Perspektiven auf eine Jugendhilfe, die Beziehung lebt und Entwicklung ermöglicht.
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